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Die römische Villa von Grünau (Stmk.) - Funde und Befunde 1988-2008

 

Überblick
In den Jahren 1988 bis 2008 fanden insgesamt 14 Grabungskampagnen in der römischen Villa von Grünau sowie in zwei zur Villa gehörenden Hügelgräbergruppen statt. Diese Villa im weststeirischen Laßnitztal ist dabei auf zwei Grundstücke aufgeteilt (KG Grünau, MG Groß St. Florian, VB Deutschlandsberg: Parz. 621 und 622).
In einem ersten Schritt wurden die Funde und Befunde der östlichen Parzelle 622 in einer Dissertation bearbeitet und vorgelegt (Susanne Lamm, Die römische Villa von Grünau. Funde und Befunde der Grabungssaisonen 1991, 1992, 2001 und 2002, ungedr. Diss. Graz 2011). Diese umfasst die Resultate der Ausgrabungen der Jahre 1991, 1992, 2001 und 2002.
In einem weiteren Schritt werden nun die Grabungen auf der westlichen Parzelle 621 sowie in den beiden Hügelgräbergruppen untersucht.

 

Bisherige Resultate (Dissertation)
Die Existenz einer Villa in der Nähe des Ortes Groß St. Florian ist durch verschiedene Quelle seit dem 19. Jh. vermutet worden, zudem wurden aus der näheren Umgebung immer wieder Funde aus Gräbern gemeldet. Aufmerksam gemacht durch die Meldungen eines einheimischen Hobbyforschers an das Bundesdenkmalamt, begann Erwin Pochmarski vom Institut für Klassische Archäologie der Karl-Franzens-Universität Graz 1988 mit den Ausgrabungen vor Ort. 1991 und 1992 leitete er direkt die Grabungen auf der östlichen Parzelle, 2001 und 2002 arbeiteten an seiner Stelle vor Ort Barbara Porod und Wolfgang Artner.
Freigelegt wurden in diesen Jahren der Osttrakt des Hauptgebäudes sowie ein kleines Nebengebäude südöstlich davon. Dabei zeigte sich, dass sich unterhalb der römerzeitlichen Besiedlung Reste einer Siedlung mit Gräbern der mittleren Bronzezeit befinden, aber kein direkter latènezeitlicher Vorläuferbau.
Die römerzeitlichen Befunde ließen sich in 5 Bauphasen untergliedern: Phase 1 mit Resten von Holzgebäuden und einer Vorratsgrube, die in frührömische Zeit zu setzen ist; hingewiesen sei hier auf die Überreste einer möglichen Grubenhütte nördlich des Osttraktes, die parallel zu den späteren Mauerfundamente angelegt war. Phase 2 ist durch Reste von geschütteten Mauerfundamenten im Bereich des Nebengebäudes, durch eine Trockenmauer in Raum C und eine Struktur aus Pfostenlöchern und einem Gräbchen, die vielleicht als Webstuhl interpretiert werden kann, nachweisbar. Nach Phase 2 folgt um die Mitte des 2. Jh. n.Chr. eine Planierung des Südteils des Geländes, was hier wohl dem Niveauausgleich gedient hat. Ich gehe davon aus, dass die folgende Phase 3 kurz nach der Planierung anzusetzen ist. In Phase 3 wird der Ostteil der Villa mit seinem späteren Aussehen erstmals greifbar. Das Nebengebäude zeigt sich als 4-räumiger Bau mit einem Korridor in der Mitte, 2 Räumen südlich und einem großen Raum nördlich. Durch das Auflassen des nördlichen Raumes ist auch der Abstand zur Südostecke des Osttraktes nun groß genug, damit der entlang der Südmauer angelegte Traufgraben nicht das Nebengebäude stört. Zeitgleich dürfte auch der nördliche Traufgraben angelegt worden sein. Die Fundamente der Außenmauern bleiben von nun an unverändert, ebenso wie der Torbereich im Osten, der von Anfang an als dreiflügelige Anlage konzipiert wurde. Raum E und Raum C besitzen nun auch ihr bekanntes Aussehen, wobei letztere über eine Schwelle im Südosteck betretbar ist; der Zugang zu Raum E kann von mir nur im nördlichen Bereich vermutet werden. Neu in dieser Phase ist der Begehungshorizont im Inneren des Traktes (später als Bereich H1 und H2 bezeichnet), der aus einem gestampften Lehmboden besteht. Da dieser im Falle von Regen unbenutzbar wurde und es auch keine Hinweise auf Wasserabflüsse oder ein Sammelbecken in der Mitte gibt, wird dieser Bereich ebenfalls überdacht gewesen sein. Im Bereich des späteren Raumteiles B fehlt die abgrenzende Mauer zum Begehungshorizont, bzw. ist dieser weiter nach Norden verlaufend als der spätere Bereich H1. Ich nehme in diesem Bereich eine Trennung zum korridorartigen Bereich mittels einer (hypothetischen) Pfostenreihe an. Über den Korridor gelangte man über eine Schwelle in der Mitte der Westmauer in den nächsten Raum, bzw. den Westtrakt des Gebäudes. Analog dazu konnte man auch über die Porticus im Süden (Raum E) den Westtrakt erreichen. Die Funktion von Raum C in dieser Phase dürfte am ehesten im wirtschaftlichen Bereich zu suchen sein, es wäre aber auch eine Wohnung für den Verwalter in der Nähe des Torbereiches denkbar. Der große freie Bereich mit dem Begehungshorizont könnte als Eingang/Wagenremise zu deuten sein. Zwischen Phase 3 und 4 dürfte nicht allzu viel Zeit vergangen sein, eine genauere Datierung als 2. H. 2. Jh. ist aber trotzdem nicht möglich. Die großen Änderungen betreffen hier Umbauten im Bereich von Raumteil B (Errichtung der Trennmauer nach Süden), die Errichtung einer Trennmauer zwischen den Bereichen H1 und H2 sowie den Einbau des Raumes D. Dadurch wurde der ursprünglich große Einfahrts-/Eingangsbereich zur Villa stark verkleinert. In diese Zeit dürfte auch die Verfüllung der beiden Gräben anzusetzen sein, was auch für die Änderung der Dachkonstruktion spricht, da die Entwässerung nun auf anderem Wege erfolgt sein muss. Hier folgt nun eine zeitlich Lücke sowohl im Fundmaterial als auch in den Baustrukturen. Diese Lücke umfasst einen Zeitraum von fast 100 Jahren und fällt grob in das 3. Jh. n.Chr. Die bestehenden Bauteile wurden nicht zerstört, sondern scheinen eher langsam verfallen zu sein, was sich bei einigen Ziegelschuttschichten ablesen lässt. Zeitlich nicht genau einordenbar sind Mauerausrisse in einigen Bereichen, die danach angesetzt werden können. Der Phase 5 sind als bauliche Überreste wiederum Strukturen aus Pfostenstellungen und Gräbchen sowie vereinzelte Gruben zuzuweisen. Ein Teil der Trennmauer zwischen H1 und H2 wurde ausgerissen, ebenso die Westmauer von Raum D. Hier dürften mehrere Pfosten eine neue Dachkonstruktion getragen haben, die vor allem dem Schutz des in Raum D angenommenen Ofens gedient haben wird. Ebenso in diese Phase ist der Rest des Holzgebäudes in H2 zu setzen sowie verschiedene Pfosten und Gruben (u.a. die „Marmorgrube“). Zeitlich befinden wir uns hier in einem Bereich, der frühestens ab 300 anzusetzen ist und aber bis in das 5./6. Jh. reichen dürfte.

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